Klinik-Seelsorge

Über die Klinkseelsorge

Ein Artikel von Pfr. Johannes Sinn aus dem Osterbrief 2007

Seit genau einem Jahr gibt es sie nun: die Verbindung der beiden halben Klinikseelsorge-aufträge in Bad Endorf und in Vogtareuth.

So konnte sich in der Simsseeklinik und im Behandlungszentrum Vogtareuth eine eingehende und zuverlässige Seelsorgearbeit mit den dortigen Patientinnen und Patienten (und den Mitarbeiten-den) entwickeln.

Täglich werden Menschen aufgesucht, die mitunter schwere Zeiten durchzu-stehen haben: Wird ihnen auch pflegerisch und ärztlich umfassend und professionell geholfen, so bleibt doch die vielfach verwundete Seele als Zu-wendungsaufgabe für geschulte Seelsorgerinnen und Seelsorger.

Oft gelingt es, Hoffnung zu erhalten oder zu wecken. Mancher Besuch hinterlässt bleibende seelsorgliche Eindrücke, die lange über den aktuellen Krankenhausaufenthalt hinaus im Gedächtnis bleiben! Seelsorge tut gut, ist wohl sogar lebenswichtig und stellt ein christliches ”Werk” dar, zu dem Jesus den Auftrag gegeben hat.

Diese erfüllende Aufgabe wird seit Beginn dieses Jahres nun auch geteilt mit sieben ehrenamtlich Tätigen, die sich bereitgefunden haben zu einer mehrmonatigen Ausbildung, die die beiden Klinikpfarrer Peter Zach (Prien) und Johannes Sinn (Bad Endorf / Vogtareuth) anbieten.

Seelsorge im Krankenhaus ist für die Diensttuenden im Krankenhaus keineswegs nur eine große Belastung, wie Außenstehende nicht selten vermuten, Sie schenkt auch einen unermesslichen Schatz an menschlichen und religiösen Erfahrungen und Einsichten. Weil die Krankenhausseelsorger auch in den Gemeindegottesdienst ihrer örtlichen Kirchengemeinden eingebunden sind, kann dieser Reichtum auch den (noch / wieder) gesunden Gemeindegliedern erschlossen werden.

Klinik und Kirchengemeinde gehören zusammen wie Krankheit und Gesundheit. Darum übernehmen die Gemeindepfarrer gerne einen Teil der Klinikgottesdienste. Krankheiten und Unfälle gehören zum menschlichen Leben. Ist der Mensch nicht erst auch durch sie zu einem ernsthaft religiös fragenden Wesen gereift?
Ihr Pfarrer
Johannes Sinn

 

Klinikseelsorge-Ausbildung (KSA)

Pfr. Johannes Sinn berichtet von seiner KSA - Fortbildung in Würzburg im Frühjahr 2003
"Von jeder und jedem einzelnen war sehr viel Einsatz erwartet und erbracht worden..."

"Wie arbeitet ein Pfarrer in der Klinik? Wie wird er dazu ausgebildet? Welche Chancen hat die Klinikseelsorge?" - gelegentlich werde ich so von Gemeindegliedern gefragt.
Seit 1. März 2000 arbeite ich im Rahmen der halben Pfarrstelle für Klinikseelsorge in der Simsseeklinik in Bad Endorf. Für den Anfang dieses Jahres war mir nun die Teilnahme an einer sechswöchigen KSA (= Klinische Seelsorge - Ausbildung) von unserer Kirchenleitung genehmigt worden.

Unter der Leitung unseres "Supervisors", Pfr. H. Spittler von der Universitätsklinik Würzburg, nahmen zwei katholische und drei evangelische Klinikseelsorgerinnen und -seelsorger ihre eigene Seelsorge-Arbeit in einem "geschlossenen" Kurs gründlich unter die Lupe:

  • Besonders anhand von Protokollen (Verbatims) anonym wieder-gegebener, geführter Gespräche wurde das seelsorgerliche Verhalten genau betrachtet: Wie reagiert der Seelsorger/ die Seelsorgerin, mit welchen eigenen Gefühlen, welche Untertöne sind evtl. in Worten und Gesten des Patienten / der Patientin zusätzlich herauszuhören? Dabei werden dann besondere Gaben des Seelsorgers/ der Seelsorgerin ebenso sichtbar wie "blinde Flecken", eingefahrene Verhaltensmuster und eigene Blockaden. - Ein Gespräch kann umso besser gelingen, je mehr diese eigenen Schwächen bekannt sind und kontrolliert werden können.
  • Theorieeinheiten, z.B. über den "Trauerprozess", den "Umgang mit Ärger", die "(Familien-) Systemtheorie", gehörten außerdem zu den vormittäglichen Lerneinheiten.
  • Der Gruppenprozess - es arbeiteten ja sechs sehr unterschiedliche Menschen für sechs Wochen aufs Engste zusammen - wurde im Rahmen von Selbsterfahrung intensiv begleitet.
  • Im Rahmen eines "Intensivwochenendes" wurde der Biographie der Kursteilnehmer nachgegangen und die eigene religiöse und theologische Entwicklung nachvollzogen.
  • Andachten und Gottesdienste der Teilnehmenden wurden gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten gefeiert und dann in der Lerngruppe nachbesprochen.
  • Jeder der fünf bekam pro Woche zusätzlich eine Stunde Einzel-Supervision vom Supervisor, die für die Bearbeitung ganz persönlicher Fragestellungen genutzt werden konnte.
  • Die Nachmittage verbrachten die Kursteilnehmer auf "ihren" Stationen mit Patienten - Besuchen. So konnten neue Einsichten ansatzweise erprobt und umgesetzt werden.
  • Wöchentliche Berichte über die eigene Entwicklung und eine gemeinsame Auswertung rundeten den Kurs ab.

Von jeder und jedem einzelnen war sehr viel Einsatz erwartet und erbracht worden, dafür war auch der persönliche Gewinn entsprechend hoch. Der Kurs ist zwar "zu Ende", aber manche Entwicklung ist jetzt "ganz am Anfang". Möge Gott uns gut dabei begleiten!
Die Patientinnen und Patienten in Bad Endorf, Wiesbaden, Würzburg, Schweinfurt und Chemnitz könnten nun zukünftig noch aufmerksamere und einfühlsamere Seelsorgerinnen und Seelsorger auf ihrem oft schweren Weg finden...

Herzlich danken möchte ich allen, die mich während des Kurses in Aschau-Bernau und Bad Endorf vertreten haben.
Pfr. J. Sinn (Kur - und Klinikseelsorger)